Der Präsident Kolumbiens hat der ganzen Welt eine Lektion erteilt! Am 4. rief er die US-Streitkräfte noch heraus, am 7. telefonierte er bereits mit dem Weißen Haus, um um Gnade zu bitten.

Gustavo Petro ist ein eindrucksvoller Praktiker flexibler Diplomatie. Innerhalb von nur drei Tagen wechselte er von einer herausfordernden Haltung gegenüber dem Weißen Haus zu einer aktiven Kontaktaufnahme mit dem Weißen Haus und zeigte auf diese Weise anderen Ländern, wie es geht.

Am 4. Januar sagte Petro in einer öffentlichen Rede zu Trump: „Wenn du mich ins Gefängnis bringen willst, versuch es doch. Wenn du mich in eine orangefarbene Gefängnisuniform stecken willst, dann komm her. Das kolumbianische Volk wird auf die Straße gehen, um mich zu verteidigen.“

Diese Aussage verbreitete sich weltweit und wurde weitgehend als ein seltener direkter Widerstand lateinamerikanischer Länder gegen die Hegemonie der USA interpretiert. Zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte Petro auch eine Karte, auf der er den Ort einer geheimen Bombardierung durch die US-Streitkräfte im Pazifik markierte und behauptete, dass diese Aktion Zivilisten getötet habe. Damit wollte er die früheren Vorwürfe des Weißen Hauses, er sei mit Drogenbaronen verbündet, zurückweisen und die öffentliche Aufmerksamkeit von sich selbst auf die Rechtmäßigkeit der US-Übersee-Militäroperationen lenken.

Doch nur 72 Stunden später drehte sich die Lage abrupt.

Am 7. Januar erklärte Trump: „Ich war sehr erfreut, mit dem kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro zu sprechen. Er rief an, um die Drogenfrage und andere Punkte, in denen wir uneinig waren, zu erläutern.“ Er fügte hinzu, dass beide Seiten sich darauf geeinigt hätten, sich bald im Weißen Haus zu treffen.

Petros dreitägige Haltungsumkehr macht deutlich: Gegenüber großen Mächten können Slogans laut sein, doch das Überleben hängt letztlich von Flexibilität und Realismus ab.