Tausende Blockchains, Tausende dApps – der Kryptosektor wird immer fragmentierter. Wie Chain Abstraction Abhilfe für die darunter leidende Benutzerfreundlichkeit schafft.

Das Streben nach Skalierbarkeit zerlegt den Kryptosektor in immer kleinere Teile. Neben neuen Sidechains und Layer-2-Netzwerken entwickeln einige Projekte mittlerweile auch Blockchains, die ausschließlich für eine Anwendung konzipiert sind. Aufgrund dieser Fragmentierung könnte es in Zukunft Millionen von Blockchains geben – alle mit eigenem Token, eigenen dApps und eigener Liquidität.
Für Nutzer gestaltet sich die Interaktion daher besonders umständlich. Sie möchten auf verschiedene Anwendungen zugreifen, die sich auf unterschiedlichen Blockchains befinden. Sie halten aber meist nur Coins und Token in einem Netzwerk. Um auf die gewünschte Chain zu gelangen, müssen sie riskante und kostspielige Brücken nutzen und den jeweiligen Gas-Token erwerben, um Transaktionsgebühren zu bezahlen. Der neue technologische Ansatz der „Chain Abstraction“ könnte hier Abhilfe schaffen.
Das Usability-Problem von Crypto
Eines der ersten Konzepte zur Chain-Abstraktion stammt von Connext, einem Interoperabilitätsprotokoll. Die Idee hinter der Technologie ist einfach: Die Frontend-Anwendung soll in den Vordergrund rücken, die blockchain-technischen Prozesse in den Hintergrund. Sie werden sozusagen „abstrahiert“. Stattdessen übernehmen spezielle Smart-Contract-Module im Backend die Überbrückung und den Austausch von Token zwischen Netzwerken, die Zahlung von Gasgebühren und die Signierung von Transaktionen. Nutzer müssen diese Prozesse nicht mehr manuell durchführen. Für sie spielt es keine Rolle mehr, auf welcher Blockchain sich der gewünschte Liquiditätspool oder das gewünschte Handelspaar befindet. Der gesamte Prozess findet auf einer Frontend-Plattform statt. Dadurch wird eine der größten Eintrittsbarrieren in die Krypto-Adoption beseitigt – die komplexe „User Experience“. Für Entwickler der Krypto-dApps soll die Integration der Smart-Contract-Module mittels spezieller Toolkits erleichtert werden. Damit können sie im Handumdrehen Cross-Chain-Apps, sogenannte xApps, entwickeln.
Alle Vermögenswerte, jede Kette an einem Ort
Wer im Internet surfen möchte, muss kein Experte für Backend-Software sein. Der Wechsel von Website zu Website ist meist nur einen Klick entfernt. Diese Einfachheit fehlte dem Blockchain-Sektor bisher. Die Abstraktion der technischen Prozesse soll nun neue Projekte ermöglichen, die den Krypto-Sektor vereinheitlichen. Eines davon ist Catalyst. Catalyst ist einer der ersten Omni-Chain-DEXs, der den blockchain-unabhängigen Austausch von Token ermöglichen soll. Es folgt damit der Idee von Thorchain, baut aber auf dem wachsenden Trend zur Modularität im Blockchain-Sektor auf. Modulare Blockchains lassen sich leichter anpassen und starten und lassen sich zudem leichter in bestehende Netzwerke integrieren. Bestehende Barrieren zwischen den Chains werden so abgebaut. Ist das Projekt erfolgreich, könnte es eine universelle „Liquiditätsschicht“ des Krypto-Sektors bilden. Während Krypto-Nutzer einige Chains aufgrund ihrer aktuellen Skalierbarkeit bevorzugen, könnten ihre zukünftige Kompatibilität und Modularität noch wichtiger sein. Die Chain-Abstraktion gilt zusammen mit Cross-Chain-Messaging-Protokollen wie LayerZero als Hoffnungsträger für die Entwicklung der Branche.