Nach Monaten starker Performance vollzog Bitcoin im Mai seine erste Bruchlandung des Jahres. Zum ersten Mal schloss die Kryptowährung mit einer negativen Monatsperformance ab.

Bitcoin-Investoren blicken bisher auf ein zufriedenstellendes Jahr 2023. Seit Jahresbeginn stieg der Preis der Kryptowährung Nr. 1 von 16.540 US-Dollar (USD) auf bis zu 30.486 US-Dollar. BTC druckte dieses Jahreshoch am 14. April auf dem Preisdiagramm aus.

Bitcoin-Preis seit Jahresbeginn

Zuletzt wechselte Bitcoin jedoch in den Korrekturmodus. Zum Zeitpunkt des Schreibens kostet eine Einheit digitales Gold immer noch 27.109 USD. Vor allem im Mai befand sich der Trend kontinuierlich im Abwärtstrend. Damit ist der vergangene Monat der erste in diesem Jahr mit einer negativen Performance, wie BTC-Analyst PlanB auf Twitter anmerkt.

Was passiert jetzt?

Doch die Vorzeichen seien weiterhin positiv, sagt BTC-ECHO-Marktexperte Stefan Lübeck: „Übergreifend bleibt die seit Jahresbeginn anhaltende Aufwärtsbewegung intakt.“ Ob der Bitcoin auch im Juni dem langfristigen Trend folgen werde, hänge seiner Meinung nach von zwei Faktoren ab.

Einerseits bleibt abzuwarten, ob sich die positive Entwicklung rund um den neuen Krypto-Hub Hongkong in den nächsten Monaten tatsächlich positiv auf die Handelsumsätze auswirken wird. Die Zufuhr von frischem Kapital aus Fernost in den Krypto-Markt könnte der Kryptowährung neuen Schwung verleihen.

BTC-ECHO Marktexperte Stefan Lübeck Die Hong Kong Securities and Futures Commission (SFC) hatte Ende Mai den Weg für die Lizenzierung von Krypto-Börsen in der Sonderwirtschaftszone frei gemacht. Ab Mai können Börsen die Handelslizenz beantragen.

Der andere preisbestimmende Faktor ist laut Lübeck die globale Geldmenge M2. Das ist das weltweit im Umlauf befindliche Bargeld sowie die kurzfristigen Sichteinlagen, also das Girogeld.

Steigt die Geldmenge, also die Liquidität im System, sind Anleger eher bereit, in Risikoanlagen wie Bitcoin zu investieren. Ausschlaggebend für diese Wende in der Geldpolitik sei laut Lübeck vor allem die konjunkturelle Entwicklung.

Konsolidierung im Sommer?

Grigori Akimov, Analyst beim Kryptofondsanbieter F5 Crypto, rechnet angesichts der starken Performance in diesem Jahr eher mit einer Konsolidierungsphase im Frühsommer.

Aktuell kämpft der Bitcoin mit einer signifikanten Makro-Widerstandszone zwischen 27.000 und 30.000 EUR. Eine plausible Prognose für Juni 2023 wäre eine Konsolidierung in einer Seitwärtsbewegung zwischen 23.000 und 27.000 EUR.

Grigori Akimov, Kryptoanalyst bei F5 Crypto

Zudem, so Akimov, sei gerade auch Sommer – was normalerweise bedeute, dass die (Krypto-)Märkte eher gemäßigt seien. „Der Sommer ist typischerweise eine ruhigere Zeit für die Märkte“. Daher rechnet der Analyst vorerst nicht mit einem nachhaltigen Ausbruch nach oben.

Inflation in der Eurozone sinkt: Gut für den Bitcoin-Preis?

Bei der Inflation ist derweil eine leichte Erholung zu verzeichnen. Nach den neuesten Zahlen von Eurostat lag die Inflationsrate innerhalb der Eurozone im Mai nur noch bei 6,1 Prozent. Das sind 0,9 Prozentpunkte weniger als im Vormonat.

Die restriktiven Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) tragen also Früchte; ob der unerwartet starke Rückgang der Inflationsrate allerdings eine Zinswende auslösen wird, gilt als unwahrscheinlich. Marktbeobachter rechnen vielmehr mit weiteren moderaten Zinserhöhungen in den kommenden Monaten. Schließlich ist die Notenbank noch meilenweit von ihrem Inflationsziel von zwei Prozent entfernt.

Insgesamt sind sinkende Inflationsraten im Rahmen risikoreicher Anlagen jedoch positiv zu bewerten.

Mining-Schwierigkeit und Hashrate

Fundamental ist bei Bitcoin allerdings alles in Ordnung. Betrachtet man etwa die Hashrate, erkennt man eine positive Marktstimmung seitens der Miner. Schließlich weist die Hashrate seit Monaten ein enormes Wachstum auf. Die kumulierte Rechenleistung im BTC-Netzwerk beträgt aktuell 366 Exahashes pro Sekunde (EH/S). Zum Vergleich: Noch im Januar lag der Wert bei 241 EH/s.

Einerseits führt eine steigende Hashrate zu einem sichereren Bitcoin-Netzwerk, da Angriffe wie 51-Prozent-Angriffe unwahrscheinlicher werden. Andererseits deuten die Investitionen der Miner auch auf positive Preisprognosen für Unternehmen hin, die im Vorgriff auf die bevorstehende Bitcoin-Halbierung um Marktanteile konkurrieren.

Sollten Fed, EZB und Co. im Zuge anhaltender Konjunkturprobleme zu einer Politik der lockeren Geldpolitik zurückkehren und die im Umlauf befindliche Fiatgeldmenge wieder erhöhen, werden institutionelle Investoren wieder mehr Geld in risikoreiche Anlagesektoren wie den Kryptospace stecken.