Vitalik Buterin, der Mitgründer von Ethereum, fordert die Entwicklung digitaler Werkzeuge, die besonders auf die Unabhängigkeit und den Schutz der Privatsphäre der Nutzer achten.

Am 10. Januar schrieb Buterin auf der Social-Media-Plattform X, dass Entwickler sich stärker darauf konzentrieren sollten, ein „souveränes Web“ zu erschaffen. Dieses neue Web soll Nutzer vor psychologischer Beeinflussung und Datensammlung durch Unternehmen schützen.

Vitalik Buterin stellt Plan für unabhängiges Web ohne Big Tech vor

Buterin richtete seine schärfste Kritik an das aktuelle Internet-Ökosystem, das er als „corposlop“ bezeichnete.

Er erklärte, dass diese Entwicklung durch modernes und sauberes Marketing sowie durch übertriebene Firmen-Optimierung entsteht. Ziel ist es, noch mehr Gewinn zu machen, wobei die Selbstbestimmung der Nutzer verloren geht.

Nach Buterin ist dieses Umfeld von einer „seelenlosen“ Gleichförmigkeit geprägt. Große Technologieunternehmen achten daher besonders auf kurze Interaktionen, wie sie etwa aus Algorithmen entstehen, die auf schnellen Belohnungen oder künstlicher Empörung basieren. Echte langfristige Werte bleiben dabei auf der Strecke.

Buterin betonte besonders das Problem unnötiger Massendatensammlungen und geschlossener Plattformen („walled gardens“). Solche Plattformen verlangen hohe Gebühren und verhindern absichtlich die Zusammenarbeit mit anderen Diensten.

Diese Methoden sorgen nur scheinbar für besseren Service und nehmen den Menschen in Wahrheit immer mehr Selbstbestimmung.

Als Gegenvorschlag zu diesem Geschäftsmodell wünscht sich der Ethereum-Mitgründer ein neues Verständnis von digitaler Souveränität.

Früher meinte „Souveränität“ vor allem, staatlicher Zensur zu entkommen. Heute, so findet Buterin, muss die Bedeutung erweitert werden: Es geht darum, auch die eigene psychologische Unabhängigkeit zu schützen.

„[Souveränität] bedeutet, Dinge zu tun, weil du an sie glaubst, und unabhängig zu sein von dem gleichmachenden und seelenraubenden Konzept von ‚dem Meta‘”, erklärte Buterin.

Wahre Souveränität, meint Buterin, braucht kryptografische Werkzeuge. Sie sollen Menschen vor Firmen schützen, die ihre Aufmerksamkeit und ihr Geld „ernten“ wollen.

„Ich muss zugeben, die Bitcoin-Maximalisten waren viel früher dran: Ein großer Teil ihres Widerstands gegen ICOs, andere Token außer Bitcoin, willkürliche Finanzanwendungen und so weiter, war genau, Bitcoin ‚souverän‘ zu halten und nicht zu ‚corposlop‘ werden zu lassen”, schrieb Buterin.

Damit dieses souveräne Web Wirklichkeit werden kann, hat Buterin eine klare Roadmap für Entwickler beschrieben. Sie sollen Anwendungen bauen, die Privatsphäre schützen, möglichst lokal funktionieren und nur wenig auf Dritte angewiesen sind.

Außerdem sollen neue Finanzwerkzeuge den Aufbau von nachhaltigem Vermögen fördern. Plattformen, die Spekulation mit hohem Hebel oder „Sportwetten-Verhalten“ fördern, lehnt er jedoch ausdrücklich ab.

Zum Schluss bat Buterin um offene KI-Systeme. Sie sollen die Produktivität von Mensch und Maschine verbinden und nicht dazu führen, dass Nutzer immer passiver werden.