Die spektakuläre Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär am letzten Wochenende hat in Teheran für große Unruhe gesorgt. Nun muss sich die Führung des Iran mit der unangenehmen Möglichkeit beschäftigen, dass ihr das Gleiche passieren könnte.

Die Wettmärkte achten sehr genau darauf.

Trader reagieren auf Regime-Risiko beim Kurs

Trader auf Polymarket bewerten das Risiko jetzt höher. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ayatollah Ali Khamenei noch vor Jahresende als Oberster Führer abgesetzt wird, ist auf 56 Prozent gestiegen. Das sind 21 Prozentpunkte mehr als vor einigen Tagen. Dieser Anstieg zeigt, dass immer mehr glauben, der 85-jährige Oberste Führer des Iran könnte die Mischung aus inneren Unruhen und äußerem Druck nicht überstehen.

Venezuela und Iran sind enge Verbündete. Beide Länder sehen die USA als gemeinsamen Gegner. Teheran hat Öltanker geschickt, um Venezuela bei Sanktionen zu helfen, und es gibt ein zwanzigjähriges Abkommen zur Zusammenarbeit. Dass amerikanische Soldaten Maduro aus seinem Schlafzimmer holten, macht die iranischen Warnungen vor US-Politikwechsel nun sehr real.

Die Proteste wegen des Währungszusammenbruchs im Iran sind inzwischen viel größer geworden. Laut Human Rights Activists News Agency (HRANA), die in den USA sitzt, finden nun in 88 Städten in 27 der 31 Provinzen Demonstrationen statt. Die Organisation berichtet von mindestens 34 getöteten Demonstranten und über 2.000 Festnahmen, wobei die Zahlen schwer zu überprüfen sind.

Khamenei nennt einige der Demonstrierenden Randalierer, Söldner und ausländische Unruhestifter. Die Sicherheitskräfte setzen zudem Spezialeinheiten ein und durchsuchen laut Berichten Krankenhäuser, um verletzte Menschen festzunehmen.

Trumps wachsende Drohungen

Präsident Trump hat den Iran innerhalb einer Woche zweimal gewarnt. In einem Gespräch im Flugzeug sagte er, dass die Tötung von Demonstranten eine sehr starke US-Reaktion auslösen würde. Im Radio drohte er, Iran werde „die Hölle zahlen“, falls Gewalt gegen Protestierende stattfinde.

Trump wollte sich nicht mit Reza Pahlavi, dem Sohn des gestürzten Schahs, treffen und meinte, das sei im Moment nicht passend. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat öffentlich die iranischen Demonstrierenden unterstützt. Das macht die Sorgen in Teheran noch größer.

Das zeigen Prognosemärkte über Iran

Aus den gestaffelten Quoten auf Polymarket erkennt man, wie Trader über Irans Zukunft denken. Für den 31. Januar liegt die Wahrscheinlichkeit bei 22 Prozent mit 4,3 Mio. USD Umsatz, im März bei 35 Prozent, im Juni bei 42 Prozent und bis Dezember steigt sie auf 56 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer mit lang andauernder Unsicherheit und nicht mit einem schnellen Zusammenbruch rechnen.

StichtagWahrscheinlichkeitHandelsvolumen31. Januar 202622 Prozent4,3 Mio. USD31. März 202635 Prozent1,9 Mio. USD30. Juni 202642 Prozent1,8 Mio. USD31. Dezember 202656 Prozent504.000 USD

Andere Märkte zeigen: Die Chance, dass Präsident Masoud Pezeshkian noch vor Jahresende abgesetzt wird, liegt bei 51 Prozent. Gleichzeitig tippen 62 Prozent darauf, dass „Nie etwas passiert“. Das zeigt, dass es weiter große Unsicherheit gibt, ob sich durch den Druck wirklich etwas ändert.

Darum ist Iran nicht wie Venezuela

Trotz aller Ähnlichkeiten ist die Lage im Iran grundsätzlich eine andere. Die Islamische Revolutionsgarde hat ein Netzwerk von Verbündeten in Libanon, Syrien, Irak, Jemen und Gaza aufgebaut. So will sie Macht zeigen und Angriffe abschrecken. Außerdem besitzt der Iran viele Drohnen und Raketen, die in Konflikten der Region bereits eingesetzt wurden und als effektiv gelten.

Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sagte, dass jede US-Aktion alle amerikanischen Ziele in der Region zu erlaubten Angriffszielen machen würde. Die israelischen Angriffe im letzten Sommer haben Schwachstellen aufgedeckt, dennoch sorgten sie für seltene Einigkeit im Iran: Menschen aus allen politischen Richtungen verurteilten den ausländischen Angriff.

Khamenei schrieb in sozialen Medien, dass Iraner, die an Verhandlungen mit den USA geglaubt hätten, nun die Wahrheit sähen: Während Iran verhandelte, habe Washington schon auf Krieg gesetzt. Die 56-Prozent-Wahrscheinlichkeit der Wettmärkte bedeutet somit fast eine Fünfzig-fünfzig-Chance für oder gegen Khameneis weitere Herrschaft.

Für eine Führung, die 45 Jahre Widerstand gegen die USA durchgehalten hat, wirken solche Quoten vielleicht nicht bedrohlich. Doch auch Maduro hielt sich wohl für sicher – bis schließlich US-Soldaten vor seiner Tür standen.