Bitcoin und Ethereum handeln derzeit nahe an wichtigen „Max-Pain“-Punkten, während Krypto-Optionen im Wert von mehr als 2,2 Mrd. USD bei Deribit auslaufen.
Gleichzeitig bereiten sich Trader und Investoren auf eine möglicherweise starke Kursbewegung vor. Zwei wichtige Ereignisse treffen heute aufeinander.
Mehr als 2,2 Mrd. USD in Bitcoin- und Ethereum-Optionen laufen um 8:00 Uhr UTC aus
Zum aktuellen Zeitpunkt lag der Bitcoin-Kurs bei fast 90.985 USD. Das entspricht so gut wie dem Max-Pain-Level von 90.000 USD.
Ethereum lag bei etwa 3.113 USD. Das ist leicht über dem Max-Pain-Level von 3.100 USD. Zusammen machen beide Werte etwa 1,89 Mrd. USD an BTC-Optionen und 396 Mio. USD an ETH-Optionen aus. So zeigt sich ein typisches „Showdown“-Szenario vor dem Ablauf der Optionen.
Der Bitcoin-Optionsmarkt ist dabei sehr ausgeglichen. Es gibt 10.105 Call-Optionen und 10.633 Put-Optionen. Das ergibt ein Put-zu-Call-Verhältnis von 1,05.
Diese Ausgeglichenheit sorgt dafür, dass Händler gegen Kursschwankungen absichern. Dadurch bleibt der Spot-Kurs in einer engen Spanne und die Volatilität vor Ablauf der Optionen niedrig.
Anders ist die Lage bei Ethereum. Dort gibt es 67.872 Calls und 59.297 Puts. Das Put-zu-Call-Verhältnis liegt bei 0,87. Daraus ergibt sich mehr Risiko nach oben.
„ETH-Call-Positionen liegen hauptsächlich über 3.000 USD. Wenn sich der Spot-Kurs über dem Max-Pain hält, könnte es sein, dass Händler nach dem Ablauf stärker auf Kursanstiege reagieren“, so die Analysten von Deribit .
Auch Analyst Kyle Doops sieht das so. Er meint, wenn der Ethereum-Kurs über dem Max-Pain-Level bleibt, könnten Händler nach Ablauf der Optionen dem Spot-Kurs hinterherlaufen.
„Die Volatilität wird bis zum Ablauf wohl geringer. Erst danach zeigt sich die Richtung”, sagte er .
Diese geringe Volatilität sieht man schon, weil viele Trader vorsichtiger sind und abwarten, bis die Optionen ausgelaufen sind. Dennoch ist das Auslaufen der Optionen heute nur ein Teil des Gesamtrisikos.
NFP, starke USD und Trump-Zölle: Schlechte Karten für Krypto?
Auch aus anderer Richtung steigt der Druck: Der Bericht zum US-Arbeitsmarkt für Dezember wird um 8:30 Uhr ET veröffentlicht. Das ist der wichtigste Impulsgeber für den Kurs. Der US-Dollar hat sich im Vorfeld gestärkt. Der DXY-Index legte in der vergangenen Woche um etwa 0,5 Prozent zu. Das belastet Gold und Bitcoin.
Das erklärt, warum beide Anlagen trotz fehlender negativer Krypto-Nachrichten gefallen sind.
Von MarketWatch befragte Ökonomen erwarten 73.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft, zuvor waren es 64.000. Die Arbeitslosenquote wird bei 4,5 Prozent erwartet und liegt damit leicht unter den vorherigen 4,6 Prozent.
Wichtiger als die Gesamtzahl sind aber die Details im Bericht. Besonders das durchschnittliche Stundenentgelt zeigt, wie stark die Löhne steigen. Steigen die Löhne weiter stark, wird die Inflation für die US-Notenbank schwieriger zu kontrollieren, Anleiherenditen könnten steigen und Bitcoin unter Druck gerät.
Andersherum könnten schwächere Jobzahlen und langsam steigende Löhne die Hoffnung auf niedrigere Zinsen befeuern. Dann wäre eine risikofreudige Bewegung zum Wochenabschluss möglich.
Hinzu kommt zusätzliche Unsicherheit: Das US-Verfassungsgericht entscheidet heute, Freitag, 9. Januar 2026, über die Rechtmäßigkeit der von der Trump-Regierung verhängten Zölle. Dabei geht es um Notfallbefugnisse des Präsidenten. Das Urteil wird im Laufe des Tages erwartet.
Aktuell gehen die Prognosemärkte vor allem davon aus, dass das Gericht die Macht zur Einführung von Zöllen begrenzt. Das könnte kurzfristig zu Unsicherheiten im Handel und beim Wachstum führen.
Krypto-Märkte reagieren immer wieder empfindlich auf Nachrichten über Zölle. Letztes Jahr ist zum Beispiel der Bitcoin-Kurs nach einer Zoll-Ankündigung auf etwa 74.000 USD gefallen. Danach hat sich der Kurs erholt, als die Handelsgespräche weitergingen.
Im Moment halten Optionsgeschäfte die Kurse kurzfristig fest. Außerdem sind wichtige wirtschaftliche Signale noch nicht eindeutig. Viele Trader sehen ihre aktuelle Strategie deshalb eher als Verteidigung statt als richtig bärisch an.
Eine klarere Richtung wird wahrscheinlich erst nach dem Verfall der Optionen sichtbar, wenn das Absichern durch Händler nachlässt und sowohl die Arbeitsmarktdaten als auch das Urteil des Obersten Gerichts wirken.


