Der Preis von Bitcoin reagiert immer häufiger nicht auf die Emotionen der Investoren, sondern auf harte makroökonomische Daten. In den letzten Wochen ist der Arbeitsmarkt in den USA zu einem entscheidenden Faktor geworden, der immer besorgniserregendere Signale sendet. Diese Daten könnten, so Benjamin Cowen, kurzfristig einen realen Verkaufsdruck auf Bitcoin ausüben.

Die Kryptowährungsbranche verknüpft sich zunehmend mit der Geldpolitik und der Verfassung der amerikanischen Wirtschaft.

Der Arbeitsmarkt in den USA als Warnsignal

Der Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten verliert allmählich an Schwung, was sich in den offiziellen Zahlen widerspiegelt. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,6 %, was den höchsten Stand in diesem Zyklus darstellt. Wichtig ist, dass dieser Anstieg systematisch und ununterbrochen seit Juni anhält. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Arbeitslosenquote noch 4,1 %, und die folgenden Monate brachten eine weitere Verschlechterung.

Der Trend sieht folgendermaßen aus:

  • 4,1 % im Juni

  • 4,2 % im Juli

  • 4,3 % im August

  • 4,4 % im September

  • 4,6 % aktuell

Gleichzeitig sinkt die Zahl der neuen Stellenangebote, sogenannte Job Openings. Auch fehlt ein Rückgang der Kündigungen, was auf geringere Sicherheit der Arbeitnehmer hindeutet. Dies ist ein klassischer Indikator für eine Wirtschaftsverlangsamung, die gewöhnlich einer Rezession vorausgeht. Für riskante Anlagen wie Kryptowährungen bedeutet dies ein schwieriges Umfeld.

Darüber hinaus lohnt es sich, die Beziehung zwischen Zinssätzen und dem Anleihenmarkt zu beachten. Derzeit beträgt der Fed-Funds-Satz 3,75 %, während die Rendite von 2-Jahres-Anleihen rund 3,5 % liegt. Historisch gesehen begann eine echte Lockerung erst, als der Fed-Satz unter die Rendite der 2-Jahres-Anleihen fiel. Dieser Bedingung ist noch nicht entsprochen worden.

Der Bitcoin-Preis und die Kommentare von Benjamin Cowen

Benjamin Cowen verbindet in seiner Aufnahme die Daten des Arbeitsmarktes klar mit der aktuellen Lage des Bitcoin. Er weist darauf hin, dass im vorherigen Zyklus von 2021 der Höchststand von Bitcoin auf eine steigende Inflation fiel. Zu jener Zeit war die Inflation der Haupttreiber für die Maßnahmen der Fed und die Marktschwankungen. Diesmal sieht die Situation anders aus.

Der aktuelle Hochpunkt von Oktober 2025 könnte auf dem zweiten Teil des doppelten Mandats der Fed, also dem Arbeitsmarkt, beruhen. Die steigende Arbeitslosigkeit begann, die Inflation als zentralen makroökonomischen Problem zu ersetzen. Cowen betont, dass die Fed wahrscheinlich weitere Zinssenkungen vornehmen wird. Gleichzeitig ist er der Ansicht, dass diese Maßnahmen früher und in größerem Umfang erfolgen sollten, sogar um 50 Basispunkte:

„So wie ich nur zur Hälfte aus diesem Markt herausgespielt habe, würde ich doch sehr gerne sehen, dass diejenigen gewinnen, die behaupten, es sei ein super Zykl. Aber ich denke, sie werden nicht gewinnen, und ich denke, es wird Mist werden. Bislang deutet alles darauf hin, aber in unserem Interesse wäre es, dass es doch dieser super Zykl wird und dass Bitcoin weiter nach oben geht.“

Nach dieser Aussage betont Cowen, dass persönliche Wünsche nicht den Daten vorgehen dürfen. Seiner Ansicht nach werden makroökonomische Gegenwinden den Markt mindestens bis Anfang 2026 begleiten. Kurzfristig erwartet er weiterhin Schwäche, besonders wenn sich die Arbeitsmarktdaten weiter verschlechtern. Genau deshalb könnte der Bitcoin-Preis Schwierigkeiten haben, eine dauerhafte Erholung einzuleiten.

Szenarien für die kommenden Monate nach Ansicht von Cowen

Cowen präsentiert mehrere mögliche Szenarien für den Kryptomarkt. Eines davon erinnert an die Struktur aus dem Jahr 2019, als Bitcoin seinen Höchststand in einer Atmosphäre der Gleichgültigkeit erreichte. In diesem Szenario könnte der Markt den vorherigen Tiefpunkt aufrollen. Danach wäre ein kurzfristiger Aufschwung möglich, gefolgt von einem niedrigeren Tiefpunkt.

Praktisch bedeutet dies eine Abfolge: Einbruch, Erholung, weiterer Einbruch und erst danach ein größerer Aufschwung. Cowen erwartet möglicherweise ein lokales Tief Ende Dezember oder Anfang Januar. Danach sieht er eine Chance auf Erholung in Richtung der 200-Tage- oder 50-Wochen-Durchschnittslinie. Ein solcher Bewegung könnte jedoch nur ein makroökonomisches niedrigeres Hoch erreichen.

Auf längere Sicht bleibt die Fed entscheidend. Laut Cowen möchte Jerome Powell die geldpolitische Lockerung vor Ende seiner Amtszeit im Mai 2026 nicht aggressiv vorantreiben. Er befürchtet, dass sich die „animal spirits“ erneut entfachen könnten. Erst eine Änderung des Fed-Chefs Mitte oder Ende 2026 könnte die derzeitigen Gegenwinden in Rückenwinden verwandeln.

Zum Schluss erinnert Cowen an die Zyklen von Bitcoin. Historisch gesehen erreichte Bitcoin seine Hochs im vierten Quartal des Jahres nach dem Halving – also 2013, 2017, 2021 und 2025. Die Makroökonomie liefert stets eine Erzählung, doch der Fundament bleibt der Zykl. Daher könnte der Bitcoin-Preis noch unter Druck bleiben, bis die Bedingungen für einen dauerhaften Aufwärtstrend gegeben sind.

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